Zastera Laker vs. Prijon Falcon

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Was ist eigentlich ein Fitnessboot? Ganz klar ist das nicht. Als kleinsten gemeinsamen Nenner kann man anführen, dass bei diesen Booten die körperliche Ertüchtigung im Vordergrund steht. Die Hersteller bieten dafür zumeist entschärfte Rennboote als Fitnessboote an, die nicht ganz so unstabil auf dem Wasser liegen, wie ihre wesentlich schnelleren Pendants auf der Rennstrecke. An dieser Stelle möchten wir zwei rundweg unterschiedliche Bootstypen vorstellen, die das vorrangige Ziel der körperlichen Ertüchtigung haben, aber völlig durch das Raster der üblichen Rennsportformen fallen. Beide Boote sind kürzer als fünf Meter und kommen puristisch, ohne jeden Schnickschnack daher. Auf Steueranlage, Netze, Abschottungen oder Ladeluken wird verzichtet, was sich letztlich im Gewicht bemerkbar macht. Allerdings muss man für die Unsinkbarkeit selber Sorge tragen und bei Bedarf Auftriebskörper nachrüsten. Getestet haben wir beide Boote auf dem Rhein und auf einem kurvenreichen und bewegten Abschnitt der Erft.

Zastera Laker

Zastera Laker Seitenansicht

Der Laker des tschechischen Herstellers Zastera ist eine Art Hybrid, eine Mischung aus Abfahrtsboot und einem entschärften Rennboot, was in der Form des Unterschiffes zum Ausdruck kommt. Der am Bug beginnende U-Spant geht ab der Sitzluke in einen gemäßigten Rundspant über.

Die Zielgruppen sind laut Hersteller ehemalige Rennsportler beziehungsweise Wildwasserrennsportler und andere versierte Paddler. Mit 4,50 m Länge passt der Laker noch bequem in jede Garage und lässt sich auch ohne Fähnchen auf kleineren Fahrzeugen transportieren. Dabei bringt der Laker in der zweitbesten Version nur 8,6 kg auf die Waage, in der Elite-Version sogar nur 7,5 kg. 

Trotz seiner geringen Breite von 45 cm liegt das Boot auch bei Wellengang sicher auf dem Wasser, ist ohne Steueranlage erstaunlich einfach zu manövrieren und hinterlässt sogar im leichten Wildwasser einen guten und sicheren Eindruck. Der hohe Bug erlaubt ein trockenes Durchfahren von höheren Wellen und das relativ flach geschnittene Heck macht den Laker deutlich unempfindlicher gegen Seitenwind als beispielsweise ein Abfahrtsboot. Trotzdem gilt: Das Boot ist für versierte Paddler gedacht und insbesondere wenn hohe Brandungswellen vom Ufer zurückschlagen, gilt es konzentriert zu bleiben.

Zastera Laker Unterschiff

 Unser Testboot wurde mit einer faustgroßen Beule geliefert, die vermutlich durch das Verzurren des Bootes für den Transport im noch nicht vollständig ausgehärteten Zustand verursacht wurde. Die tschechisch-pragmatische Lösung von Tomas Zastera lautete: „Heißluftfön“. Tatsächlich verschwand die Beule beim vorsichtigen Erhitzen wie durch Geisterhand. Den Sitz haben wir uns nicht einbauen lassen, sonder selber einlaminiert. Das wäre auch unser Tipp, denn so kann man sich je nach Bedarf das Boot individuell trimmen und die Sitzhöhe selbst bestimmen. Auf Wunsch bietet Zastera sein Fitnessboot mit mehr Volumen an, was aber im Normalfall nicht notwendig ist. 90 kg Fahrergewicht und etwas Zusatzgepäck sind kein Problem. Weiterhin kann der Laker anstelle einer 60 cm langen auch mit einer deutlich größeren Rennsportluke ausgestattet werden. 

Die Preisgestaltung ist dem puristischen Ansatz entsprechend: Der Hybrid schlägt in der zweitbesten Version mit 1690,- € zu Buche, die Elite-Version kostet 1990,- €, die günstige Club-Variante liegt bei 1190,- €. Zastera bietet noch weitere Materialkompositionen an, die in Abhängigkeit zum Bootsgewicht eine andere Preisgestaltung erlauben. 

Prijon Falcon

Beim Falcon hat scheinbar Prijons Yukon-E Pate gestanden, was in seiner sportlichen Seekajakform zum Ausdruck kommt. Mit einer Länge von 4,90 Meter ist das Boot auch außerhalb des Wassers gut zu händeln. Beim Bootstransport muss bei einem kleineren PKW möglicherweise der Überstand markiert werden. In der Aramid-Carbon-Version wiegt der Falcon etwa 14 kg und ist damit deutlich schwerer als der Laker, aber immer noch gut zu tragen. Bei einer Breite von 55 cm verhält sich das Boot ausgesprochen gutmütig und ist relativ einfach über die Kanten zu manövrieren. Mit seinem Kielsprung ist der Falcon trotz seiner Länge erstaunlich wendig und lässt sich auf die Seite gelegt nahezu auf dem Punkt drehen. Im Gegensatz zum Laker kommt die Rosenheimer Konstruktion mit einem trapezförmigen, nach innen gerichteten Knickspant (konkav) und einem etwa 25 cm schmalen Flachboden daher. Das sieht zwar nicht besonders elegant aus, bringt aber ausreichend Geschwindigkeit und durch die ausladenden Seitenwände ein erstaunlich hohes Maß an Sicherheit. Die relativ große Sitzluke lernt man rasch zu schätzen.

Prijon Falcon

Das Ein- und Aussteigen gestaltet sich bei jedem Ufer als verhältnismäßig einfach. Der vormontierte Sitz ist bequem, flexibel positionierbar und wird mit verstellbarer Rückenlehne geliefert, die sich auch noch justieren lässt, wenn man bereits im Boot sitzt. Allerdings sollte der Sitz nachträglich mit etwas festem Schaumstoff fixiert werden, da er sich beim Paddeln einige Millimeter hin und her bewegt.

Falcon Unterschiff

Das ist nicht nur der Kraftübertragung etwas abträglich, sondern scheuert auf Dauer den Rumpf leck. Aufgrund seiner Kippstabilität und seiner einfachen Manövrierbarkeit kann man den Falcon auch weniger versierten Paddlern empfehlen, insbesondere wenn das heimatliche Trainingsgewässer etwas unruhiger ist. Das geräumige Boot erlaubt darüber hinaus die Mitnahme von Gepäck, was sich klassisch hinter der Sitzluke oder vor der Fußstütze platzieren lässt. Der Prijon Falcon kostet in der Carbon-Aramid-Variante 2444,00 €. Die 18 kg schwere GFK-Version liegt bei 1789,- €.

Fazit

Beide Boote haben ihre Einsatzbereiche und Zielgruppen. Während der Laker sich in etwa wie ein Wildwasserrennboot verhält, ist der Prijon Falcon mehr ein bequemes und sportliches Boot mit Seekajakverwandschaft. Wer längere Touren, vielleicht sogar mit ein wenig Gepäck vorhat und gleichzeitig nach einem stabilen, relativ kurzen Fitnessboot sucht, der findet mit dem Falcon eine puristische Alternative. Wer aber eher schnell und sportlich unterwegs sein möchte und darüber hinaus Wildwasserrennsport- oder Rennsporterfahrung mitbringt oder als „Normalpaddler“ eine neue sportliche Herausforderung sucht, der ist mit dem federleichten Laker gut bedient.

Adressen: 

Zastera: http://www.zastera.cz/en/ (Webseite ist nicht gepflegt!)

Prijon: https://www.prijon.com