Führung und der Leistungsbegriff im Sport

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Immer wenn es um Führung geht, geht es darum, andere Menschen dazu zu bringen, dass diese nach gesetzten Zielen streben. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund: Das Führungs- und Leistungsziel (was soll erreicht werden), die Motivation (Bereitschaft, das gesetzte Ziel erreichen zu wollen), die Volition (den Willen es zu tun und das dafür notwendige Handeln auch gegen Widerstände durchzusetzen beziehungsweise durchzuhalten).

Jeder der führt, der erwartet von seinen Geführten bestimmte Leistungen, welche die zuvor bestimmten Zielsetzungen erfüllen. Aber was ist eigentlich unter Leistung zu verstehen? Spontan fallen einem zunächst mal erreichte Ziele und Ergebnisse ein. Das Sportlexikon definiert sportliche Leistung als die „Leistung in einer sportlichen Tätigkeit, d.h. Einheit von Vollzug und Ergebnis einer sportlichen Handlung oder einer komplexen Handlungsfolge, gemessen bzw. bewertet an bestimmten sozial determinierten, vereinbarten Normen. […] Die sportliche Leistung muß [sic!] jeweils als Äußerung der Gesamtpersönlichkeit des Sportlers verstanden werden, seine Leistungsbereitschaft und die Möglichkeiten, seine Fähigkeiten auszubilden, sind wesentlich durch seine soziale Situation bestimmt.“

Sozialpädagogisch lässt sich diese Sichtweise wie folgt auf den Punkt bringen: Subjektiv empfindet man jede Bewältigung einer anspruchsvollen Herausforderung als Leistung, zunächst einmal unabhängig davon, um was für eine Herausforderung es sich handelt. Dabei ist der Wert dieser Leistung deutlich von der Wertschätzung der Gesellschaft abhängig, womit der soziale Bedeutungsinhalt der Leistung zum eigentlichen Kriterium wird. Was (sportliche) Leistung ist, bestimmt bei dieser Sichtweise letztlich die Gesellschaft. Folglich wird ein als subjektiv „gut“ empfundenes Ergebnis nur dann zum (gesellschaftlichen) Erfolg, wenn die Handlung allgemein als Leistung anerkannt und das aus der Handlung resultierende Ergebnis auf die Tüchtigkeit des Sportlers und nicht etwa auf Zufall (nur Glück gehabt) oder Betrug (z. B. Doping) zurückzuführen ist. 

Diese relative Betrachtung von Leistung geht deutlich über die reine Handlungs- und Ergebnisbetrachtung hinaus und bezieht die gesellschaftliche Wertschätzung mit ihren emotionalen Auswirkungen auf den Athleten mit ein. Der Wille zur nationalen Repräsentation geht mit dieser Auffassung einher und äußert sich in den Zielvereinbarungen und Förderungen der Athleten durch Vereine und Verbände.

Fazit: Die gesellschaftlichen Einflüsse sind maßgeblich an der individuellen Motivation, Zielsetzung und Durchhaltefähigkeit des Athleten beteiligt. Eine Führungsaufgabe muss es deshalb sein, die jeweilige Sportart zum einen in der näheren Umwelt des Athleten (z. B. Familie, im Verein, im Ort) und zum anderen im weiteren Umfeld (z. B. national und international) als wertvollen Leistungssport mit möglichst hoher Reputation zu etablieren. Gerade vor den aktuellen Hintergründen, nämlich der Reduktion von Sportveranstaltungen sind regelmäßige (professionelle) PR-Maßnahmen von Wichtigkeit. Hier stehen Vereine und Spitzenverbände besonders in der Pflicht.

T. Funk, 2020 – beinahe ein olympisches Jahr.

Fotograf: Waltraud Senft

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